
Eine chaotische Krankheit
Die Lyme-Borreliose ist eine chaotische Krankheit. Sie vagabundiert in vielen Schubladen der Schulmedizin, passt aber in keine hinein. Da verwundert es kaum, dass nicht Mediziner, sondern Laien aus dem Ort Lyme in den USA den Weg zur Entdeckung dieser Multisystemerkrankung gewiesen haben.
Weiter unten erhalten Sie ausführliche Informationen zur Lyme-Borreliose.
Im Jahr 1977 wurde eine "neue" Erkrankung, die als "Lyme disease" bezeichneten wurde, beschrieben (1). Man hatte festgestellt, dass sich am Ort eines Zeckenstiches nach wenigen Wochen ein Erythem ausbilden kann und bei diesen Patienten danach signifikant gehäuft neurologische, kardiale oder arthritische Folgerkrankungen auftreten. Wegen dieses multisystemischen Verlaufes wurde der Begriff Lyme-Krankheit gewählt. Die gleiche Arbeitsgruppe teilte später mit, dass diese Krankheit effektiv mit Antibiotika behandelt werden kann (2). Daraus ergab sich die logische Schlussfolgerung, dass die Lyme-Krankheit sehr wahrscheinlich eine von Zecken übertragene bakterielle Infektionserkrankung ist.
Unabhängig davon fand der Mikrobiologe Willy Burgdorfer bei Untersuchungen der Hämolymphe von Zecken (Ixodes dammini) Mikrofilarien und im Darm Spirochäten.. In einer gemeinsamen Publikation mit der Arbeitsgruppe von Steere (4) wurde 1983 nachgewiesen, dass die von Burgdorfer isolierte Spirochäte der Erreger der Lyme Krankheit ist. Gleichzeitig konnten erstmals auch im Blut von Patienten mit Lyme Krankheit Spirochäten nachgewiesen werden (5).
1983 fand die erste internationale Konferenzn zur Lyme Krankheit an der Yale Universität statt (10). Hier einigte man sich auf die Krankheitsbezeichnung Lyme Borreliose.
In den ersten drei Quartalen 2009 wurde die Vorjahreszahl mit rund 11.700 Fällen bereits überschritten. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg, muss man 2009 von rund 170.000 Betroffenen ausgehen.
Im Jahr 2008 waren es nach den Erkrankungszahlen der Techniker Krankenkasse noch 118.000. Dieses entspricht einer Steigerung um über 40%. Nur in Bayern traten noch mehr Erkrankungen auf.
Quelle: Borreliose- u. FSME Bund Deutschland, Artikel Landesvertretung Baden-Württemberg April 2009
Die Lyme-Borreliose (Erreger: Borrelia burgdorferi) darf nicht verwechselt werden mit der heute seltenen Rückfallfieber-Borreliose (Erreger: Borrelia recurrentis). Die hauptsächlich von Läusen übertragene Rückfallfieber-Borreliose grassierte in Soldatenquartieren während dervergangenen Weltkriege.
Bis zur Entdeckung der Lyme-Borreliose ist in den bis dahin herausgebrachten medizinischen Fachbüchern nur die Rückfallfieber-Borreliose verzeichnet. Ein Novum ist, dass nach dem neuen Bundesinfektionsschutzgesetz (lfSG) die altbekannte, seltene Rückfallfieber-Borreliose meldepflichtig ist, nicht jedoch die neu entdeckte, häufige Lyme-Borreliose.
Die so genannte Borreliose-Altlast sind die chronischen Borreliosen, die vor der Entdeckung des Erregers sowie in einer Zeit ohne ausreichende Behandlung entstanden sind. Die Anzahl der Borreliosen, die aufgrund fehlender Kenntnisse gar nicht oder viel zu spät oder unzureichend therapiert wurden.
Lange Inkubationszeit
Viele schwere Erkrankungen sind die Folge einer sehr langen Inkubationszeit. Die Zeit von der Ansteckung durch Zeckenstich bis Ausbruch der Erkrankung ist bei der Borreliose leider unbestimmt. Sie kann Tage, Wochen, Monate oder so gar Jahre betragen. Die Infektion verläuft klinisch stumm. Dadurch kann ein Teil der Borreliosen erst spät erkannt werden, zumal, wenn zu Infektionsbeginn keine alarmierenden Krankheitsmerkmale wie etwa eine Wanderröte (Erythema migrans) auftraten.
Das Problem des über viele Jahre verzögerten Rückfalls kennt man gut von der früher häufigen Syphilis, deren Erreger eng mit der Borrelie verwandt ist; beide sind bewegliche, schraubenförmige Bakterien, so genannte Spirochäten. Die Einteilung der Borreliose in Stadien wurde von der Syphilis übernommen.
